Details: die Treiber hinter der Vorhersage Urfeld

Auf dieser Seite sind die wesentlichen Treiber für das Windsystem am See als Vorhersage für die nächsten 4 Tage dargestellt. So funktioniert die Vorhersage

Die gestrichelten Linien sind Grenzwerte, die wir durch eine Auswertung unserer Messdaten identifizieren konnten. Beim Druckgradienten München−Innsbruck weht die Thermik in der Regel, wenn die Vorhersage die Linie erreicht. Beim Föhn zeigt die Linie, ab wann der Druckunterschied für Föhn reicht; ob er bis zum See durchbricht, hängt auch von den anderen Werten ab.

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Di 27.10.Leicht­wind 73 %Inversion
Mi 28.10.Windtag 68 %Inversion
Do 29.10.Windtag 85 %Inversion
Fr 30.10.Windtag 52 %Inversion

Wind: Vorhersage und Messung

↔ zum Blättern im Diagramm wischen

Windsysteme an diesem Spot

Am Walchensee gibt es vier Systeme, die für Wind sorgen können:

  • An sonnigen Tagen weht ab Mittag die Thermik aus Nord bis Nordost über Urfeld. Ostwind im Vorland kann sie verstärken.
  • Bei einer Inversion liegt kalte Luft, manchmal mit Nebel oder Hochnebel, im Vorland. Das ist oft im Herbst und Frühjahr der Fall. Scheint dann am Walchensee die Sonne, weht oft guter Nordwind über den Kesselberg auf den Walchensee: die Nebelsession.
  • Föhn kommt aus Süden, wenn der Luftdruck südlich der Alpen deutlich höher ist, und bringt kräftigen, aber oft sehr böigen Wind. Kommt der Föhn am Walchensee durch, weht es oft auch am Kochelsee, dort meist etwas stärker.
  • Bricht der Föhn zusammen, ist am Kochelsee wieder Flaute. Dann lohnt es sich zusammenzupacken und hochzufahren: Die heranziehende Front kann am Walchensee starken Nordwind bringen.

Die Treiber

Thermik-Antrieb: Luftdruck München minus Innsbruck

An schönen Tagen ist der Wind am Walchensee eine Thermik. Sie entsteht, weil sich die Alpentäler tagsüber stärker aufheizen als das flache Alpenvorland. Die zur Sonne geneigten Hänge bekommen die Sonnenstrahlen steiler ab und heizen sich dadurch stärker auf als die Ebene. (Exposition, oder Hangneigung, durch den steileren Einfallswinkel der Sonnenstrahlen an Südhängen konzentriert sich die gleiche Menge an Sonnenenergie auf eine deutlich kleinere Fläche als im flachen Gelände). Dazu kommt, dass in den engen Tälern weniger Luft ist, die erwärmt werden muss. Über den Bergen sinkt der Luftdruck, und die Luft aus dem Vorland strömt in die Berge nach. Am Walchensee kommt sie aus Nord bis Nordost über Urfeld und setzt meist gegen Mittag ein.

Im Diagramm dargestellt wird der Luftdruck in München minus Luftdruck in Innsbruck, ein Druckgradient. Ist er in München höher (hell, oben), zieht es die Luft in die Berge: Das ist förderlich. In unseren Messungen in Urfeld wehte ab etwa +2,3 hPa in mehr als der Hälfte der Stunden zwischen 11 und 18 Uhr Wind (gestrichelte Linie). Ist der Druck in Innsbruck höher (dunkel, unten), ist das hinderlich: Dann kommt zwischen 11 und 18 Uhr nur in etwa 4 % der Stunden Wind.

Thermik-Antrieb: Sonne am See

Ohne Sonne gibt es keine Thermik: Erst die Erwärmung der Täler baut den Druckunterschied auf. Dargestellt wird die vorhergesagte Sonneneinstrahlung am See (Fläche) und gestrichelt die Einstrahlung, die bei klarem Himmel möglich wäre. Je kleiner der Abstand, desto weniger Wolken. Ganztags Sonne ist die beste Voraussetzung. Ziehen ab Mittag Wolken auf, schwächt sich die Thermik ab. In unseren Messungen in Urfeld wehte ab etwa 90 % der möglichen Sonne gut doppelt so oft Wind wie bei mehr Wolken (gepunktete Linie).

Höhenwind 850 hPa

Dargestellt wird der Wind in etwa 1,5 km Höhe (850 hPa) über dem See: Die Linie zeigt die Stärke, die Punkte die Richtung (rechte Achse).

Für die Thermik zählt vor allem die Richtung. Kommt der Höhenwind aus Nord bis Ost (grün), unterstützt er den Nordwind über Urfeld: In unseren Messungen wehte dann zwischen 11 und 18 Uhr in rund 60 bis 65 % der Stunden Wind. Aus Nordwest (grau) war es knapp die Hälfte. Höhenwind aus Südost bis West (rot) arbeitet gegen die Thermik: nur gut ein Drittel der Stunden.

Südwind in der Höhe ist meist Föhn und für die Thermik hinderlich. Nur wenn er sehr kräftig ist (über 15 Knoten), kommt der Föhn selbst bis auf den See. Dann weht es, aber aus Süden und böig.

Luftschichtung: Deckel über dem Tal?

Für die Thermik muss die erwärmte Luft aufsteigen können. Dargestellt wird der Temperaturunterschied zwischen dem Boden am See und etwa 1,5 km Höhe (850 hPa). Ist es unten deutlich wärmer, steigt die Luft gut auf: förderlich. Ist der Unterschied klein oder ist es oben sogar wärmer (Inversion), liegt ein Deckel über dem Tal.

Entscheidend ist, wo dieser Deckel liegt. Liegt die kalte Luft nur im Vorland unterhalb des Kesselbergs, schiebt sie oft Nordwind über den Kesselberg zum Walchensee (siehe Inversion und Nebel im Vorland). Liegt der Deckel auf Höhe des Herzogstands, sitzt er auch über dem Walchensee und bremst die Thermik. Diese Höhe löst das Wettermodell nur grob auf, der Wert ist deshalb nur ein Hinweis.

Inversion und Nebel im Vorland

Berechnet und dargestellt wird der Temperaturunterschied zwischen dem Kochelsee (Tal, etwa 600 m) und dem Herzogstand (gut 1000 m), dazu auf der rechten Achse, um wie viel stärker das Alpenvorland bewölkt ist als der See.

Normalerweise ist es im Tal wärmer als oben (Wert positiv). Liegt der Wert unter etwa 1 Grad (gestrichelte Linie), ist es unten kalt: eine Inversion. Dann liegen oft Nebel oder Hochnebel im Vorland, während am See die Sonne scheint.

Hält die Inversion bis Mittag und ist das Vorland deutlich stärker bewölkt als der See, weht am Walchensee oft guter Nordwind, vor allem im Herbst und Winter. Im Vorland kommt der Wind an solchen Tagen meist aus Osten. Löst sich die Inversion bis Mittag auf, wird es ein normaler Thermiktag.

Föhn

Berechnet und dargestellt wird der Luftdruck in Bozen minus Luftdruck in Innsbruck, also südlich minus nördlich des Alpenhauptkamms. Ist der Wert positiv (oben), ist der Druck im Süden höher und die Luft drängt von Süden über die Alpen. Auf der Nordseite fällt sie als warmer, trockener und böiger Föhn ins Tal.

Ab etwa +3 hPa (gestrichelte Linie) reicht der Druckunterschied für Föhn. Ob er bis zum See durchbricht, hängt auch vom Höhenwind und von trockener Luft ab. An echten Föhntagen erreicht der Wert im Tagesverlauf meist rund +5 hPa.

Am Kochelsee ist der Föhn einer der Hauptwinde, meist früh am Morgen zwischen etwa 3 und 9 Uhr. Am Walchensee kommt er seltener aufs Wasser, dort steigt die Windchance erst ab etwa +7 hPa deutlich. Ist der Wert negativ (unten), liegt der höhere Druck im Norden: kein Föhn.

Temperaturprofil über dem See

Dargestellt wird die vorhergesagte Temperatur vom See bis in etwa 2,5 km Höhe, eine Linie je Stunde vom Vormittag bis zum Mittag. Normalerweise wird es nach oben kälter: Die Linie neigt sich nach links. Wird es nach oben wärmer, liegt eine Inversion, ein Deckel, der die kalte Luft darunter festhält.
Entscheidend ist, in welcher Höhe sie liegt. Auf Höhe des Kesselbergs sitzt die kalte Luft im Vorland und schiebt oft Nordwind über den Kesselberg zum Walchensee: ein sehr gutes Zeichen. Liegt der Deckel auf Höhe des Herzogstands, sitzt er auch über dem Walchensee und bremst die Thermik. Die Dreiecke zeigen, bis wohin sich die Luft vom Boden her durchmischt.

Normal: nach oben kälterInversion: nach oben wärmer, ein Deckel (orange hinterlegt)

Quelle: Deutscher Wetterdienst, Wettermodell ICON-D2 (Lauf 03 UTC des Tages)

Wetterdaten: Open-Meteo.com (CC BY 4.0), Modelle u.a. DWD ICON – modifiziert (MOS-Windvorhersage) durch addicted-sports. · Open-Meteo.com

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