MENÜ
This is an example of a HTML caption with a link.

Die Relativitätstheorie – für Windsurfer

Manchmal habe ich das Gefühl das Windsurfen die Grenzen der Physik durchbricht. Während die Zeit im Allgemeinen ganz normal dahin läuft, ändert sich das beim Windsurfen drastisch. Es geht schon los, wenn ich den Wetterbericht, die Windvorhersage und die aktuellen Winddaten abrufe. Kaum gehen die Windwerte in einen brauchbaren Bereich hoch,  geht es los – die Zeit beschleunigt. Noch nicht viel, aber auch nicht so wenig, dass ich es nicht bemerken würde.

Spätestens wenn ich in meinen Van steige, nimmt die Beschleunigung der Zeit zu. Eine halbe Stunde fühlt sich an wie eine ganze, ein dreißig Sekunden Ampelstopp wie fünf Minuten, der Fahrer vor Dir – der ganz korrekt fährt – kommt Dir vor wie ein stehendes Hindernis. Am Strand angekommen, geht’s mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Die Verlängerung die Du im Auto hast liegen lassen und Dich zu einem Sprint vom Strand zum Auto und wieder zurück veranlasst, kostet Dir so viel Zeit, dass Du Angst hast den besten Wind des Tages zu verpassen. Interessanterweise beschleunigt die Zeit nochmals, umso besser der Wind ist – Wind fürs 5.0 oder kleiner geben Dir das Gefühl im „fast forward“ Modus zu sein.

Kaum bist Du auf dem Wasser, verändert sich das sonderbare Phänomen. Die Zeit bleibt stehen, bevor Du dich versiehst sind zwei, drei Stunden vergangen. Die vereinbarten, wichtigen Termine und Verabredungen sind weggeblasen vom Wind. Beim Abriggen hast Du endlos Zeit mit Deinen Surffreunden über den tollen Tag zu quatschen, das eine oder andere gestandene Manöver ausführlich zu besprechen und gemeinsam den Shape des neuen Boards zentimetergenau zu analysieren.Auf der Heimfahrt fällt es Dir schon schwer überhaupt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, der ältere Herr vor Dir, der etwas langsamer durch die Gegend fährt – egal, fahr ich doch ganz gemütlich hinter ihm her, schau mir auch die Landschaft an und genieße die Fahrt.

Während Du das liest bin ich vielleicht wegen der guten Nordföhnvorhersage auf dem Weg zum Gardasee – hin und zurück rund 800 Kilometer. In Zusammenhang mit der Windsurfing-Relativitätstheorie gebracht – wenn es am Gardasee mit guten 6-7 Windstärken bläst, ein schöner sonniger Vormittag -  ist das durchaus gleichzusetzen mit einer Fahrzeit von 9 Stunden, 16 Minuten und 11 Sekunden.

Eine tolle Sache die Zeit jedesmal anzuhalten wenn es Wind hat.